F30 - Manuelle Eingriffe

Es gibt in der F30 drei 'manuelle' Modi, die allerdings allesamt nicht vollständig manuell sind und über einige Parameter nur indirekte oder gar keine Kontrolle bieten. Man kann insbesondere einige der Programm-Modi nicht mit den manuellen Modi nachbilden, weil die Programm-Modi Parameter beeinflussen, auf die man in den manuellen Modi keinen Einfluss hat. Auch der größte Control-Freak macht also bei der F30 einen Fehler, wenn er die Programm-Modi komplett ignoriert.

Das manuelle Trio

Die drei manuellen Modi sind die folgenden:

Im Modus 'Zeitvorgabe' gibt es keinen Unterschied zwischen 'normalem' und 'slow synchro'-Blitz. Schließlich besteht der übliche Unterschied zwischen beiden Blitzmodi nur in der Belichtungszeit, und die ist ja fest eingestellt. Dies hat Fuji dazu veranlasst, die beiden 'slow synchro' Einstellungen für den Blitz im Modus 'Zeitvorgabe' zu deaktivieren. Ich finde diese Entscheidung nicht unbedingt glücklich (wenn schon, dann hätte man konsequenterweise die 'normalen' Blitz-Einstellungen entfernen müssen), aber sie beschränkt in keiner Weise die Funktionalität.

In den Modi 'Zeitvorgabe' und 'Blendenvorgabe' gibt es außerdem keine Automatik für den Blitz: der Benutzer muss selbst entscheiden, ob er ihn aktiviert oder nicht.

Ich finde es aufgrund der geringen Unterschiede zwischen den drei manuellen Modi übertrieben, da überhaupt unterschiedliche Modi draus zu machen, die noch dazu so inkonsequent zu aktivieren sind (ein Umschalter Manuell vs. A/S und bei Auswahl A/S die Umschaltung im Aufnahmemenü - grauenhaft unergonomisch). Ein einziger Modus 'manuell', in dem man auch Belichtungszeit und Blende einstellen kann, wobei als Einstellung jeweils auch 'auto' erlaubt wäre, wäre viel übersichtlicher und würde überdies (ggfs. mit impliziter Deaktivierung der Einstellung 'Belichtungskorrektur') auch die gleichzeitige Einstellung von Blende und Belichtungszeit ermöglichen, die erfahrene Fotografen völlig zu Recht bei der F30 vermissen.

Einstellungen: was geht...

Die folgenden Parameter kann man im Modus 'Manuell' variieren (zusätzlich zu den auch im 'M&H-Modus einstellbaren):

Eine Automatik für den von vielen Benutzern als optimal empfundenen ISO-Bereich 100-800 gibt es im Modus 'Manuell' nicht. Man kann sie jedoch mit Hilfe einiger Programm-Modi erzwingen, siehe dazu die Übersichtstabelle am Ende dieses Kapitels.

Es gibt verschiedene Parameter, die auf die Belichtung des Bildes Einfluss haben. Sie verändern alle jedoch auch den Charakter des Bildes, mit einer Ausnahme: der Empfindlichkeit. In einer idealen Welt wäre die Empfindlichkeit daher der einzige Parameter, über den man die Belichtungsstärke eines Bildes regelt: man stellt zuerst alle anderen Parameter auf die gewünschten Werte und regelt dann die Bildhelligkeit über die Empfindlichkeit. Leider ist es im wahren Leben nicht so einfach, denn es ist schwierig, Sensoren zu bauen, deren Empfindlichkeit über einen großen Bereich einstellbar ist. Ganz besonders schwierig ist es, Sensoren mit sehr hohen Empfindlichkeiten zu bauen - wo wenig Licht ist, kann man auch nur wenig Licht aufzeichnen. Die Hersteller bemühen sich, die Signale zu verstärken, die das spärlich einfallende Licht erzeugt, und so hohe Empfindlichkeiten zu realisieren. Das funktioniert auch, aber die Verstärkung erzeugt Rauschen, das dann die Qualität der Bilder mehr oder minder stark beeinträchtigt.

Es ist die besondere Stärke der F30, selbst bei der sehr hohen Empfindlichkeit von ISO 3200 noch brauchbare Bilder mit erträglichem Rauschen zu erzeugen. Bei niedrigeren Empfindlichkeiten von ISO 800 und darunter hat die F30 praktisch kein wahrnehmbares Rauschen mehr - mancher Konkurrent rauscht bei jeder Empfindlichkeit mehr als die F30 bei ISO 800. Nutzen Sie diese Stärke der F30 und haben Sie keine Angst vor hohen ISO-Werten. Die Artefakte, die die Rauschunterdrückung der F30 bei ISO 3200 erzeugt, treten zwar deutlich hervor, wenn Sie Ausschnitte der Bilder im Zoom 1:1 am Bildschirm betrachten. Bei Ausdrucken im Postkartenformat oder in Webalben sieht man aber in vielen Fällen nichts davon.

Die Messung eines exakten ISO-Wertes ist eine komplizierte Angelegenheit. Wer sich dafür näher interessiert, sei auf den Wikipedia-Artikel zur Filmempfindlichkeit verwiesen. Für den Normalbürger empfiehlt es sich, ein Gefühl für den Zusammenhang zwischen Lichtverhältnissen anhand dessen zu erlangen, welche ISO-Einstellung jeweils nötig ist, um ein Bild im Weitwinkel ohne Blitz ohne Verwackelungswarnung zu schießen. Der manuelle Modus der F30 eignet sich gut für solche Experimente. Bitte beachten Sie, dass die so gewonnenen Erfahrungen sich nur begrenzt auf andere Kameras übertragen lassen, da diese unter Umständen über größere Blenden verfügen und daher auch mit geringeren Empfindlichkeiten auskommen können. Im übrigen hat sich die Faustregel bewährt, dass man mit ISO 100 für die unterschiedlichsten Tageslicht-Verhältnisse gut gerüstet ist (die stark variablen Belichtungszeiten 1/50s - 1/2000s machen es möglich), während in Innenräumen die Palette der vom menschlichen Auge als 'gut' empfundenen Beleuchtungen Empfindlichkeiten von ISO 100 bis ISO 3200 entsprechen. ISO 3200 ist hier auch tatsächlich das Ende der Skala: wenn Sie mit dieser Empfindlichkeit und voller Blende Bilder mit Verwackelungswarnung aufnehmen, können Sie davon ausgehen, dass der Raum auf dem Bild heller aussieht als in der Natur. Bitte beachten Sie aber, dass dies wirklich nur grobe Richtwerte sind: menschliche Augen sind von sehr unterschiedlicher Qualität, die überdies im Alter überraschend drastisch abnimmt. Machen Sie daher unbedingt Ihre eigenen Experimente.

Bei unzureichenden Lichtverhältnissen mag man in die Versuchung geraten, das Bild absichtlich unterzubelichten, um auf diese Weise der Verwackelung zu entkommen. Das funktioniert auch im Prinzip, doch sei an dieser Stelle davor gewarnt, dass man sich damit ein erheblich verstärktes Rauschen einhandelt: dunkle Passagen rauschen deutlich stärker als helle.

Die Belichtungskorrektur ist eine der wichtigsten Einstellungen, die es gibt. Sie erlaubt es, ausgehend von einem Modus, der sich als 'fast korrekt' erweisen hat, gute Bilder zu machen. Es ist daher sehr bedauerlich, dass sich Fuji entschlossen hat, diese Einstellung in allen Programm-Modi zu deaktivieren. Damit jedoch nicht genug: sobald man den Blitz verwendet, ist es Glückssache, ob die Belichtungskorrektur wirkt oder nicht. Die Information des Benutzerhandbuchs, bei den Blitz-Einstellungen 'Auto' und 'Anti-Rote-Augen' sei die Belichtungskorrektur immer deaktiviert, ist zwar falsch. Doch leider stimmt es, dass sie bei 'dunklen' Szenen, in denen der Blitz verwendet wird, keine Wirkung zeigt. Meiner persönlichen Meinung nach ist dies ein zwar dokumentierter, aber doch klarer Software-Fehler. Vielleicht kann sich Fuji ja zu einer Korrektur in einem Firmware-Update durchringen.

Die Spotmessung in der hier vorliegenden Form ist leider nur begrenzt sinnvoll, weil genau auf den für die Belichtung verwendeten Spot auch fokussiert wird. Man braucht also das Glück, einen geeigneten Spot in der korrekten Zoomebene vorzufinden, oder muss auf die Belichtungskorrektur zurückgreifen.

Die Mehrfeldmessung kann aus Prinzip nicht immer das Resultat bringen, das sich der Fotograf gewünscht hat: es handelt sich um eine Automatik, und die kann natürlich nicht die Gedanken des Fotografen lesen. Machen Sie daher am besten Ihre eigenen Experimente und stellen Sie fest, wann Sie eine Belichtungskorrektur oder eine andere Messung brauchen und wann nicht.

Die Mehrfeldmessung der F30 geht wie folgt vor: 1. Analyse der Szene und Einteilung in Bereiche, die für die Belichtung relevant und irrelevant sind. 2. Suche nach einer Belichtungseinstellung, mit der alle relevanten Bereiche gleichermaßen gut abgebildet werden. 3. Falls die Unterschiede zwischen dunklen und hellen relevanten Bereichen zu groß für eine gute gemeinsame Belichtung sind, konzentriert sich die Mehrfeldmessung auf die Mitte. Letzteres zwingt Sie bei Tageslicht in der Regel zu manuellen Eingriffen, wenn Sie auf einen korrekt abgebildeten Hintergrund Wert legen.

In allen Beleuchtungssituationen, bei denen die Mehrfeldbelichtung bereits in Schritt 2 zum Ziel kommt (also in so ziemlich allen Situationen außer bei Tageslicht), ist sie nach meiner Erfahrung enorm treffsicher. Sie werden in der Regel nur bei Tageslicht oder für Kunstfotos etwas anderes einstellen müssen.

Überbewerten Sie die Wichtigkeit der Einstellung zum Weißabgleich nicht: man kann den Weißabgleich in der Auto-Stellung belassen und ggfs. erwünschte Verschiebungen sehr leicht auch nachträglich am Computer vornehmen. Der interne Weißabgleich besitzt zwar das Potential für eine geringfügig höhere Qualität. Er wirkt nämlich an einer sehr frühen Stelle der Signalkette und wird bereits vor der eigentlichen internen Bildverarbeitung der Kamera angewendet. Lassen Sie jedoch Vorsicht walten, wenn Sie etwas anderes als 'Auto' einstellen: eine unpassende Einstellung kann das Bild nachhaltig ruinieren, so dass es per nachträglicher Bildbearbeitung nicht mehr gerettet werden kann.

Der Einfluss, den man bei der F30 und anderen kompakten Digitalkameras über die Blende nehmen kann, ist leider sehr begrenzt. Das gilt zum einen bei der Belichtungsstärke. Diese lässt sich über die ISO-Werte im Verhältnis 1:32 beeinflussen und über die Belichtungszeiten sogar im Verhältnis 1:30.000, über die Blende jedoch nur im Verhältnis 1:8 bzw. in Telestellung sogar unter 1:3. Zum anderen sind die Blendenöffnungen allesamt sehr klein (zwischen 1mm bei Weitwinkel / Blende 8 und 4,8mm bei Tele / Blende 5), so dass man sich schon sehr anstrengen muss, wenn man Unschärfen erzeugen will. Näheres erfahren Sie im Kapitel über Zoom & Blende.

...und was nicht geht.

Neben den genannten Parametern gibt es noch einige andere, die die (nicht abschaltbare) interne Bildverarbeitung beeinflussen. In den Progamm-Modi werden diese Parameter auch durchaus variiert, doch in den manuellen Modi hat man leider keinen Einfluss. Konkret geht es um Schärfung, Kontrast und Farbsättigung. Auf letztere hat man über den Farbmodus im F-Menü einen Einfluss in drei Stufen (Null, Normal, Kräftig), aber eine feinere Einflussnahme wäre natürlich schön. Immerhin hat Fuji streng darauf geachtet, dass die Standardeinstellungen nicht über das Ziel hinausschießen. Das hat den Vorteil, dass man nachträglich mit der Bildverarbeitung so ziemlich alles in Ordnung bringen kann - und den Nachteil, dass man das gelegentlich auch tatsächlich tun muss.

Professionelle Digitalkameras kennen einen sog. Raw-Modus, bei dem die Sensordaten einfach exakt aufgezeichnet werden und alle Bildverarbeitungsschritte nachträglich am Computer durchgeführt werden. Ich halte es für einen Fehler, diesen Modus Anfängern und Amateuren und überhaupt allen Besitzern kleiner Kameras vorzuenthalten, denn es gibt keine andere Methode, mit der sich Fehler bei der Aufnahme so gut vermeiden bzw. wenigstens später wieder ausbügeln lassen. Im übrgen lernt man beim Umgang mit Raw-Dateien enorm viel. Vielleicht hat Fuji hier ja mal bei späteren Modellen ein Einsehen und baut Speicherungen im Raw-Format in Kameras wie die F30 mit ein.

Alle Modi

Es folgt eine Tabelle, in der alle Modi der F30 aufgelistet werden, zusammen mit den für sie geltenden Bedingungen für ISO, Blende, Belichtungszeit und Blitz. Alle Angaben zu zu ISO, Blende und Belichtungszeit gelten für Bilder ohne Blitz (Ausnahme: Party-Modus, da dort der Blitz nicht abschaltbar ist). Mit Blitz wird der ISO-Wert auf 800 begrenzt, mit Blitz im Makro-Modus sogar auf 200; in letzterem Fall wird darüberhinaus die Blende so weit wie möglich geschlossen. In seltenen, schwer reproduzierbaren Fällen kommt es vor, dass die F30 beim Blitzen eine ISO-Stufe höher geht als die o.g. Grenzen. Die Belichtungszeit beim Blitzen liegt in der Regel zwischen 1100 (Tele) und 160 Sekunde (Weitwinkel), kann bei hellem Umgebungslicht aber bis zu 11000 Sekunde reduziert werden.

ModusISOBlendeBelichtungszeitBlitz
AutomatikAuto1600AutoAuto 1200014Auto/Std
ManuellAuto1600/Auto400/ManuellAutoAuto 1200014Auto/Std/Sync
ZeitvorgabeManuellAutoManuell 11000 – 3Sync*
BlendenvorgabeManuellManuellAuto 1100014Std/Sync
MotivschärfeAuto3200AutoAuto 1200014Auto/Std
UmgebungslichtAuto3200AutoAuto 1200014off
Umgebungslicht+BlitzAuto3200AutoAuto 1120014Augen ja/nein
PortraitAuto800AutoAuto 1200014Auto/Std/Sync
LandschaftAuto800KleinAuto 1200014off
SportAuto3200GroßAuto 1200014Auto/on/off
NachtAuto200MaximalAuto 11000 – 3Sync
Nacht+ManuellManuellMaximalManuell 1 – 15Sync*
Feuerwerk100MinimalManuell 12 – 4off
SonnenuntergangAuto1600KleinAuto 1200014Augen/off
SchneeAuto800AutoAuto 1200014Auto/Std
StrandAuto200AutoAuto 1200014Auto/Std
UnterwasserAuto1600AutoAuto 1200014Auto/Std
MuseumAuto3200AutoAuto 1200014off
PartyAuto800GroßAuto 11000160AutoAugen*
BlumenAuto1600AutoAuto 1200014off
TextAuto1600AutoAuto 1200014on/off

Erläuterungen zu den einzelnen Spalten:

ISO: 'Manuell' bedeutet, dass der Benutzer einen Wert aus 100, 200, 400, 800, 1600 und 3200 auswählt. 'AutoX' heißt, dass eine Automatik einen Wert zwischen 100 und X wählt.

Blende: 'Manuell' bedeutet, dass die Blende von Hand eingestellt werden muss, bei 'Auto' kümmert sich eine neutrale Automatik darum. 'Groß' bedeutet, dass die Automatik große Blendenöffnungen bevorzugt; bei 'Klein' werden kleine Blendenöffnungen bevorzugt; in beiden Fällen wird aber der gesamte Spielraum genutzt. 'Maximal' heißt, dass die Blendenöffnung auf das Maximum der aktuellen Brennweite fixiert wird. 'Minimal' fixiert auf die kleinstmögliche Blende 8.

Belichtungszeit: Die Zeit wird innerhalb der angegebenen Spanne entweder automatisch gewählt ('Auto') oder vom Benutzer gesetzt ('Manuell'). Die Wahl der Zeit durch den Benutzer erfolgt nicht stufenlos, sondern durch Wahl einer von 43 Stufen, in die die Skala von einer Tausendstel bis 15 Sekunden zerlegt wurde.

Blitz: Bei 'Auto' entscheidet eine Automatik darüber, ob ein normaler Blitz oder gar kein Blitz eingesetzt wird, bei 'AutoAugen' verwendet die Automatik den Anti-Rote-Augen-Blitz statt des normalen Blitzes. 'Std' lässt dem Benutzer die Auswahl 'Aus/Normal/Anti-Rote-Augen'; 'Sync' entspricht 'Std', bezieht sich aber auf die Slow-Sync-Versionen des Blitzes. Bei 'off' gibt es gar keinen Blitz. 'Augen ja/nein' lässt dem Benutzer die Wahl zwischen Anti-Rote-Augen und normalem Blitz, ganz abschalten kann er ihn aber nicht. 'on/off' erlaubt das An- oder Abschalten des normalen Blitzes, und 'Augen/off' schließlich läßt dem Benutzer die Wahl, ob ein Anti-Rote-Augen-Blitz ausgelöst werden soll oder gar keiner. Ein Stern* kennzeichnet Kameraverhalten, das von der Original-Dokumentation abweicht.

Mehr Wissen

Für weitergehende Informationen dazu, wie man die Möglichkeiten von manuellen Modi grundsätzlich vernünftig einsetzt, und wieso die verschiedenen Parameter überhaupt in dieser Weise in Wechselwirkungen zueinander stehen, empfehle ich einen Blick in die Grundlagenliteratur, auch wenn diese sich in der Regel sehr stark an der analogen Fotografie orientiert. Inbesondere das Kapitel über Objektive im Fotolehrgang der Firma Striewisch finde ich sehr erhellend. Zum Thema Blende, bei dem die Unterschiede zwischen Digital- und Analogfotografie besonders groß sind, gibt es allerdings auch gleich hier im nächsten Kapitel Grundlagenwissen.

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