F30 - Vorprogrammierte Automatiken

Für verschiedene Spezialfälle, in denen der M&H-Modus keine optimalen Ergebnisse liefert, gibt es entsprechende Programme in der F30. Man erreicht sie über die Einstellung 'N/SP'. In dieser Stellung findet man die Auswahl des passenden Programms unter dem ersten Punkt des Aufnahme-Menüs.

Leider hat Fuji nicht dokumentiert, wie sich die Kamera in den jeweiligen Modi genau verhält. Vieles in diesem Kapitel basiert daher auf Experimenten und begründeten Vermutungen - für Korrekturen bin ich dankbar.

Umgebungslicht

Der wohl häufigste Problemfall, mit dem man als Fotograf konfrontiert wird, ist das Fehlen einer hinreichend kräftigen Lichtquelle - Verwackelungswarnungen sind die Folge. Bei der F30 tritt dieser Fall zwar seltener auf als bei der Konkurrenz, weil bereits der standardmäßige M&H-Modus von hohen Empfindlichkeiten bis zu ISO 1600 Gebrauch macht (was diese Zahl bedeutet, erfahren Sie im nächsten Kapitel). Dennoch ist selbst dieser Modus gelegentlich überfordert. Die F30 bietet gleich eine ganze Reihe von Spezialmodi zur Problembehebung.

Wie so oft gilt auch hier: weniger wäre mehr gewesen. Die Funktion 'ohne und dann mit Blitz' ist ein schöner Einfall, aber warum macht man da nicht eine ganz normale Einstellung für alle Modi draus? Und warum hat man 'Umgebungslicht' und 'Party' nicht zu einem Modus zusammengefasst, in dem man dann den Rote-Augen-Blitz an- oder eben ausschalten kann? Und anstelle eines nur als direkte Alternative zum M&H-Modus interessanten Motivschärfe-Modus hätte ich mir eher eine ISO-Boost-Taste gewünscht, die dann auf alle Modi wirkt. Mir scheint diese Organisation der Modi ein gutes Beispiel dafür zu sein, was passiert, wenn Marketing-Leute und Techniker aneinander vorbeireden und kein echter Usability-Designer die Hand darüber hält.

Man soll sich gerade beim Fotografieren mit wenig Licht aber nicht den Spaß von der undurchdachten Benutzerführung verderben lassen. Machen Sie einfach Bilder, wo andere es nicht mehr tun, jedenfalls nicht erfolgreich. Allein durch die wunderschönen Bilder, die die F30 in eher düsteren Kirchen ohne Stativ machen kann, ist sie meiner Meinung nach schon ihr Geld wert.

Nur nicht auffallen!

Ein Spezialfall der Situation, dass man mit dem vorhandenen Umgebungslicht auskommen muss, sind Kirchen, Museen und andere Orte, bei denen man sehr unauffällig fotografieren muss. Es sind also Blitz, Fokussierlicht, Selbstauslöserlampe und möglichst alle Geräusche zu vermeiden. Die Mechaniken von Zoom und Focus lassen sich leider nicht ruhigstellen, aber ansonsten kann man alles abschalten, und genau das macht der Modus Museum. Von den ganzen Leise-Einstellungen abgesehen handelt es sich hier einfach um den Modus Umgebungslicht.

Ich halte diesen Modus für eine praktische Sache, weil es einfach zu viele Einstellungen gibt, an die man sonst denken müsste. Besonders das Focussierlicht wird gerne beim Abschalten vergessen. Wer es sich zur Gewohnheit macht, beim Betreten von Kirchen und ähnlich problematischen Orten immer sofort den Museums-Modus einzuschalten, hat jedenfalls eine Sorge weniger.

Nacht

So großartig die Umgebungslicht-Fähigkeiten der F30 auch sind, lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, es zu übertreiben. Ja, man kann ein schön angeleuchtetes Gebäude in der Nacht ohne weiteres mit dem Umgebungslicht-Modus aufnehmen. Und nein, es ist nicht zu empfehlen, weil solche Nachtbilder in der Regel größere sehr dunkle Bereiche haben. Und genau diese Bereiche fangen bei den hohen ISO-Zahlen, die für Umgebungslicht-Aufnahmen nötig sind, unweigerlich an zu rauschen.

Dagegen kann man sich nur mit langen Belichtungszeiten wehren, d.h. spätestens jetzt brauchen Sie das in der Einleitung vorgeschlagene Taschenstativ. Sie müssen der Kamera natürlich sagen, dass Sie ein solches Stativ haben und sich die Automatik also auf andere Dinge konzentrieren kann als auf die Vermeidung von Verwackelungen. Das tun Sie, indem Sie einen Nacht-Modus einstellen. Davon gibt es bei der F30 drei Stück:

Leider konnte sich bei Fuji wohl niemand so recht entscheiden, wo man 'Nacht+Manuell' am besten unterbringt. Die gefundene Lösung - Platztausch mit dem Modus 'Nacht' im eher schwer zugänglichen Hauptmenü - ist wohl die denkbar schlechteste. Es wäre sicher besser gewesen, im S-Modus direkt längere Zeiten zu erlauben und diesem ggfs. eine Bildverarbeitungs-Einstellung 'Normal/Nacht' zur Seite zu stellen.

Landschaften bei Tageslicht

In den vorausgegangenen Abschnitten ging es um das Problem, zuwenig Licht zu haben. Kommen wir nun zu der umgekehrten Situation. Will man bei Tageslicht eine Landschaft als Ganzes aufnehmen, so hat man in der Regel mit sehr starkem Licht zu kämpfen - vor allem, wenn die Sonne scheint, aber auch Wolken können ziemlich hell strahlen. Das menschliche Auge bewertet den Tageshimmel in der Regel als viel dunkler, als er wirklich ist.

Es ist klar, dass der normale M&H-Modus hier versagt und den Himmel stark überbelichtet - in der Regel wirkt er dann auf dem Bild milchig-weiß. Schließlich passt man in diesem Modus die Helligkeit hauptsächlich an das Motiv an und erklärt die Belichtung des Hintergrunds bewusst für zweitrangig.

An dieser Stelle wird der eine oder andere Fan der guten alten analogen Fotografie sicher hellhörig. Wir haben es hier nämlich mit der m.E. einzigen verbleibenden Stelle zu tun, an der im Bereich der Kompaktkameras im Jahre 2006 die analoge Fotografie noch einen technischen Vorteil gegenüber der aktuellen digitalen Technik ausspielen kann. Die Rede ist vom Kontrastumfang, d.h. vom größtmöglichen Helligkeitsunterschied innerhalb des Motivs, der aufgezeichnet werden kann. Hierzu kursieren die unterschiedlichsten Zahlen im Netz, die sich z.T. heftig widersprechen und die ich auch prinzipiell mit größter Vorsicht genießen würde, da sich dieser Wert i.a. nicht in Form einer einfachen Zahl darstellen lässt, sondern eine ganze Schar von Kurven nötig ist. Unabhängig davon, ob man am Ende beim Kontrastumfang den konventionellen Kleinbildfilm vorne sieht oder die Digitaltechnik (m.E. spielen beide jedenfalls in derselben Liga), hat der analoge Film einen klaren Vorteil: das Ende seiner Skala kommt nicht abrupt, d.h. auch in überbelichteten Abschnitten zeigt ein analoger Film noch Informationen über das Bild, die ein umsichtiges Fotostudio auf dem Abzug zum Vorschein bringen kann. Das geht bei der Digitalkamera nicht: was dort überbelichtet ist, ist eben überbelichtet, und Nuancen gibt es nicht. Deshalb lassen sich die Wolken aus der milchig-weißen Fläche bei der F30 nicht wieder hervorzaubern, während eine analoge Kleinbildkamera in manch ähnlicher Situation noch das Potential dazu gehabt hätte. Mit einer Digitalkamera muss man Überbelichtungen also sorgfältiger vermeiden als mit einer analogen Kamera - was durch die sofort verfügbare Bildvorschau aber auch deutlich leichter ist.

Bei starkem Licht wird besonders deutlich, dass der M&H-Modus keine vollwertige Automatik darstellt. Von einer echten Automatik könnte der Benutzer nämlich mit einigem Recht erwarten, dass sie eine Überbelichtung der Hälfte der Bildfläche nicht zulässt und große Anstrengungen unternimmt, das Bild als ganzes korrekt aufzunehmen. Sie könnte dies ohne weiteres leisten, indem sie die Belichtung zunächst an den hellen Bereichen ausrichtet und anschließend die Mitten soweit anhebt, dass das Motiv die korrekte Helligkeit hat. F30-Besitzer können einen solchen Effekt im Modus 'Portrait' erzielen (s.u.), jedoch leider nur in sehr geringem Ausmaß, so dass oft die Verwendung eines weniger hell belichtenden Modus und nachträgliche Bildbearbeitung erforderlich sein kann.

Bei den reinen Landschaftsmodi wird das Motiv im Gegensatz zum M&H-Modus bei der Belichtungsmessung nicht bevorzugt behandelt und somit eine Überbelichtung des Himmels in der Regel vermieden. Die F30 hat zwei solche reinen Landschaftsmodi:

Mit Schnee und Strand gibt es schließlich noch zwei Modi, die zwar im Prinzip zum M&H-Typ gehören, aber eben bei sehr hellem Licht eingesetzt werden sollen. Sie sind für den Fall gedacht, dass der Boden das Sonnenlicht dermaßen stark reflektiert, dass das Motiv ungewöhnlich hell angestrahlt wird. Eine normale Belichtung würde das ausgleichen, was aber dazu führen kann, dass das ganze Bild dann auf den Betrachter grau und flau wirkt. Die Modi 'Schnee' und 'Strand' wirken dem entgegen, indem sie zum einen die Belichtung etwas weniger stark auf das Motiv konzentrieren als der M&H-Modus, zum anderen aber bewusst eine gewisse Überbelichtung erzeugen. Der Modus 'Strand' ist dabei der extremere der beiden.

Portraits

Für schöne Nahaufnahmen von Gesichtern gibt es erfreulicherweise genau einen speziellen Modus, eben den Portrait-Modus. Er bemüht sich um eine gut zu Hauttönen passende Farbgebung (was oft vor allem heißt: weniger starke Belichtung) und zeichnet eher weich als scharf. Große Blenden erzwingt er jedoch nicht. Viele andere Kameras tun das im Portrait-Modus, um eine geringe Tiefenschärfe zu erzeugen, d.h. um Objekte vor und hinter dem Gesicht unscharf erscheinen zu lassen und damit das Gesicht hervorzuheben - mehr dazu erfahren Sie im Kapitel Zoom & Blende. Die F30 hält im Portrait-Modus die Blende nur bei geringem und mittleren Licht offen, schließt sie bei Tageslicht aber rasch.

Als Gelegenheitsfotograf macht man erfahrungsgemäß recht viele Bilder, die von der Sache her Portraits sind; man muss sich zwingen, dabei an diesen Modus zu denken.

Fuji hat bei diesem Modus als einzigem nicht-manuellen die alternative Verwendung der Slow-Synchro-Blitze vorgesehen. Diese Blitze zeichnen sich dadurch aus, dass der Sensor länger beleuchtet wird als der Blitz wirkt. Bei Portraits kann das einerseits nützlich sein, um auch schwach beleuchtete Hintergründe mit aufzunehmen; andererseits kann man damit bewusst eine bei Portraits angenehme Unschärfe erzeugen. Um letzteren Effekt nicht zu übertreiben, begrenzt die Automatik die Belichtungszeit mit Slow-Synchro-Blitzen auf maximal 1/15 Sekunde.

Normalerweise setzt man Slow-Synchro bei Nachtaufnahmen ein, um den Hintergrund, der für den Blitz viel zu weit weg ist, gleichberechtigt mit aufzunehmen, während Personen im Vordergrund nur kurz mit Blitz belichtet werden und daher nicht die volle Belichtungszeit lang völlig regungslos verharren müssen. Die Nacht-Modi der F30 verwenden immer Slow-Synchro-Blitze, wenn man den Blitz aktiviert - auch wenn sie im Modus Nacht+Manuell nicht so genannt werden.

Der Portrait-Modus hat zwei spezielle Eigenheiten, die ihn auch für andere Anwendungen als Portraits interessant machen. Zum einen wählt er die Empfindlichkeit automatisch im Bereich ISO100-ISO800, vermeidet also in jedem Fall die einzigen beiden ISO-Stufen, bei denen die Bildqualität deutlich abfällt. Und zum anderen arbeitet er mit einem geringen Kontrast und hebt die mittleren Helligkeiten etwas an; damit verhindert er gelegentlich eine deutliche Unterbelichtung des Motivs vor einem hellen Hintergrund.

Blumen

Ebenso wie für Gesichter gibt es auch einen Modus für Blumen, der den besonderen Anforderungen des Motivs gerecht zu werden versucht. Die Kamera schaltet in einen erweiterten Makro-Modus, in dem Entfernungen bis zu 2m möglich sind. Im übrigen werden Farben leicht verstärkt.

Sport

Bei den meisten Überlegungen waren wir bislang von weitgehend unbeweglichen Motiven und Hintergründen ausgegangen. Es gibt aber auch den Fall, in dem die Herausforderung durch ein sich sehr schnell bewegendes Motiv entsteht. Man kann ein solches Motiv 'normal' aufnehmen und die dabei entstehende Unschärfe als Ausdruck der Dynamik begrüßen. Oder man kann versuchen, die Bewegung einzufrieren, indem man die Belichtungszeit so kurz wie irgend möglich wählt.

Letzteres tut der Sport-Modus. Er versucht, Belichtungszeiten von unter zwei Millisekunden zu erzeugen und nimmt dafür ziemlich kompromisslos große Blenden und vor allem hohe Empfindlichkeiten in Kauf. Im übrigen aktiviert er automatisch den High-Speed-Fokus, d.h. dieser Modus braucht Entfernungen von mehr als einem Meter. Die braucht man aber ohnehin, weil man den schnellen Objekten sonst wohl kaum mit der Kamera folgen könnte.

Schlechte Karten hat man in diesem Modus, wenn sich das Objekt auf den Fotografen zu bewegt und erst in relativ geringer Entfernung ausgelöst werden soll. Dann nämlich ist der High-Speed-Fokus immer noch zu langsam und man braucht den kontinuierlichen Fokus. Dieser ist aber leider im Sport-Modus (wie auch in allen anderen Programm-Modi) nicht zuschaltbar. Für solche Situationen muss man also auf einen manuellen Modus ausweichen.

Scanner-Ersatz

Die F30 kann erfreulich gute Bilder von reinen Text-Seiten machen. Zum einen gibt es dafür den speziellen Text-Modus, in dem die F30 Kontrast und Schärfe verstärkt und damit sehr respektable Ergebnisse erzeugt. Zum anderen kommen hier die Korrekturen der Verzeichnung zum Tragen. Kurz: dieser Modus ist eine echte Empfehlung! Bitte nicht vergessen, ihn für Bücher und Blätter aller Art zu aktivieren.

Der Modus 'Text' verwendet einen erweiterten Makro-Modus. Mehr als 2m Entfernung sollte das Motiv nicht haben. Falls doch, so kann aber problemlos ein anderer Modus verwendet werden, denn so große Texte stellen ohnehin nicht dieselben Ansprüche hinsichtlich Schärfe und Kontrast wie normales bedrucktes Papier.

Und sonst?

Für Käufer des sündhaft teuren Unterwassergehäuses gibt es noch einen Spezialmodus. Dieser eignet sich m.E. in der Tat nur zum Tauchen und kann ansonsten ignoriert werden. Unter Wasser gibt es einfach komplett andere Lichtverhältnisse als an Land. Wer unbedingt mag, kann den Modus ja auch mal an Land ausprobieren - dann aber bitte nicht über düstere Bilder mit einem immensen Gelbstich wundern.

Es gibt einige Situationen, in denen man mit all diesen Mitteln nicht zum gewünschen Ziel kommt. Insbesondere bei Kunst-Fotos muss man per Hand eingreifen, schließlich kann die Kamera nicht wissen, was der Künstler will. Wenden wir uns also den manuellen Modi zu.

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