F30 - Gebrauchsanleitung

Worum geht es?

Fotografieren ist eine Kunst - das gilt für die alte analoge Fotografie ebenso wie für die moderne digitale Fotografie. Die Schwierigkeiten und die dazu passenden Lösungen haben sich allerdings verschoben. Da hat man es als Benutzer schwer: das mitgelieferte Handbuch ist meist wenig hilfreich, und die meisten guten Texte zur Fotografie im Internet stammen von Leuten, die in der digitalen Gegenwart noch nicht wirklich angekommen sind. Wer mit modernen, kleinen Digitalkameras gute Fotos machen will, steht im Regen. Dieser Text soll helfen.

Die erste Frage, die sich der interessierte Amateur stellt, lautet: welche Kamera brauche ich überhaupt? Was die reine Bildqualität angeht, sprach im Juni 2006, als diese Zeilen entstanden, viel für die Fujifilm Finepix F30. Daher habe ich sie mir gekauft, musste aber in mühsamer Kleinarbeit die Details zur korrekten Bedienung zusammenstellen. Damit auch andere davon profitieren, habe ich meine Erkenntnisse in Form einer Gebrauchsanweisung hier aufgeschrieben. Diese soll freilich die Original-Gebrauchsanweisung nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie ist zunächst für F30-Besitzer gedacht, doch vieles gilt auch für andere Kameras, also lesen Sie ruhig weiter. Und vielleicht kann Ihnen dieser Text ja auch bei der Beantwortung der Frage helfen, ob die F30 für Sie eine geeignete Kamera wäre oder nicht. Beachten Sie dabei bitte, dass zwar die Grundlagen dieses Artikels hoffentlich zeitlos wahr sind, aber die Technik nicht stehenbleibt - mit der F31fd erschien Dezember 2006 bereits ein verbessertes Nachfolgemodell, weitere sind bereits angekündigt. Als große, zoomstarke Variante zur F30 existiert die S6500fd, die z.B. von Michael Hensche ausführlich erläutert wird.

Für und Wider der F30

Was also spricht für die F30? Im wesentlichen ein Punkt: sie war bei ihrem Erscheinen unter allen erhältlichen Kompaktkameras die mit Abstand beste, was die Bildqualität bei hohen Empfindlichkeiten angeht. Das ist ein Punkt von zentraler Wichtigkeit; warum, werden wir später noch sehen. Freilich hat die F30 auch Schwächen, die man kennen sollte. Diese sind:

Dies ist eine lange Liste, und doch habe ich nicht ohne Grund selbst die F30 gekauft. Zum einen leidet auch jeder Konkurrent unter mindestens einer der genannten Schwächen, und zum anderen haben viele von ihnen noch ganz andere Probleme, unter denen die F30 kaum oder gar nicht leidet. Eine kleine Auswahl: schwache Auflösungen, starke Verzeichnungen (vor allem im Weitwinkel), dumpfe Bilder ohne Dynamik, zu schwache oder zu starke Blitze, unzureichende LCDs, kurze Akkulaufzeiten, lahme Einschalt-, Zoom- und Auslösevorgänge, die jeden Schnappschuss unmöglich machen, und natürlich deutlich geringere Empfindlichkeiten, die das Fotografieren von Menschen oder Tieren bei suboptimalem Licht zum Glücksspiel oder ganz unmöglich machen. Vergessen Sie all diese Punkte nicht bei Ihrer Entscheidung!

Zubehör

Gehen wir im Folgenden davon aus, dass Sie eine F30 besitzen, und wenden uns nun dem Zubehör zu. Was genau brauchen Sie, um die gewünschten schönen Fotos zu machen? Es sind im Wesentlichen drei Dinge:

Installation

Während der Akku in der Kamera erstmals voll geladen wird und man sich freut, das Akkufach vermutlich nie wieder öffnen zu müssen, könnte man auf den Gedanken kommen, die beigefügte Software (den sog. Finepix-Viewer) zu installieren. Ich empfehle jedoch, das zunächst nicht zu tun. Windows XP erkennt nämlich die Kamera auch von alleine.

Die Kamera meldet sich unter Windows XP nicht als Laufwerk an, sondern tatsächlich als Kamera. Das wird in Internet-Foren gelegentlich kritisiert, hat aber meiner Meinung nach vor allem Vorteile. Zum einen muss man eine Kamera nicht abmelden, bevor man sie ausschaltet und den USB-Stecker zieht - ein klarer Sicherheitsgewinn! Und zum anderen kann Windows XP auf Wunsch beim Einstöpseln automatisch alle Bilder in einen von Ihnen eingestellten Ordner kopieren oder verschieben - keine extra Software nötig!

Hier werden Sie gleich mit dem ersten Designfehler der F30 konfrontiert: wenn man bei normal eingeschalteter Kamera das USB-Kabel zieht, fährt das Objektiv aus und kann beschädigt werden, wenn die Kamera ungünstig liegt. Ich konnte es kaum fassen, dass diese alte Krankheit mancher Digitalkameras noch nicht ausgestorben ist. Mögliche Vorsichtsmaßnahmen (ja nach Geschmack, eine einzige davon reicht im Prinzip): die Kamera vor dem Verbinden in den Wiedergabemodus versetzen; die Kamera immer mit dem Objektiv nach oben ablegen; nach erfolgtem Datentransfer (wenn Windows den Ordner öffnet) sofort die Kamera abschalten; immer zunächst die Kamera abschalten und erst dann das USB-Kabel abziehen.

Das Protokoll zur Anmeldung der Kamera als Kamera statt als Laufwerk (PTP genannt) ist vergleichsweise neu, und nicht jeder Software-Hersteller besitzt offenbar bereits die nötige Erfahrung, um fehlerfreie Treiber zu schreiben. Insbesondere bei der Windows XP Treibern kann es bei einzelnen Dateien einer Größe von über 512MB (sprich: bei sehr langen Filmen) Schwierigkeiten geben: es wird nur eine 0 Byte große Datei übertragen. Wer von Fehlern dieser Art betroffen ist, kann auf den direkten Anschluss der Kamera an den Rechner verzichten und stattdessen einen zuverlässigen Kartenleser verwenden, z.B. den Olympus Mausb 300. Alternativ kann man ausprobieren, ob die jeweils neueste Version des Treibers von Fuji das problem behebt.

Der Einsatz des Finepix-Viewers zur Bildverwaltung und -bearbeitung empfielt sich nicht. Erheblich bessere Software (besser zu bedienen, größerer Funktionsumfang, keine nervigen Treiber-Installationen) gibt es kostenlos im Internet. Ich empfehle besonders Google Picasa und XnView. Falls das nicht Ihrem Geschmack entspricht, gibt es noch viele weitere Programme!

Ein Vorteil des Finepix-Viewers soll jedoch erwähnt werden: er allein kann die sog. Exif-Daten vollständig darstellen, d.h. die in der Bilddatei gespeicherten Informationen über das verwendete Motivprogramm und andere Parameter. Die meisten dieser Daten sind standardisiert, so dass auch andere Software sie gut lesen kann, doch einige wenige propritäre Daten kann nur der Finepix-Viewer lesen.

Displayhelligkeit

Nachdem der Akku geladen ist, sollten Sie als erstes im Setup die Displayhelligkeit korrigieren. Ein guter Wert ist -3. Höhere Werte führen dazu, dass ausgewogene Bilder auf dem Kameradisplay überbelichtet wirken.

Nutzen Sie die Gelegenheit, auch Ihren Computermonitor korrekt einzustellen. Viele Monitore sind zu hell und/oder zu kontrastreich eingestellt, was ebenfalls leicht zum Eindruck überbelichteter Bilder führt. Um das zu vermeiden, genügt es, dafür zu sorgen, dass in diesem Testbild alle Helligkeitsabstufungen gut voneinander unterscheidbar sind, während gleichzeitig das Schwarz dort wirklich schwarz und das Weiß wirklich weiß aussieht. Geben Sie nicht auf, bevor Sie es hingekriegt haben; arbeiten Sie ggfs. mit systemweiten Farbprofilen. Unter Windows können Besitzer von Photoshop mit Adobe Gamma aus der Systemsteuerung viel erreichen. Manche Notebook-Bildschirme könnten sich als unkalibrierbar erweisen; benutzen Sie in diesem Fall einen externen Monitor zur Bildbeurteilung. Die Auswirkungen eines schlecht kalibrierten Monitors sind enorm.

Firmware

Noch bevor Sie Ihre ersten Fotos schießen, sollten Sie die Version der Software überprüfen, die auf der Kamera selbst läuft. Aktuell ist die Version 1.02, doch die ersten F30-Exemplare wurden noch mit der Version 1.00 ausgeliefert. Diese hat ein paar Fehler, die zwar nur sehr selten auftreten, dann aber ärgerlich sein können. Ich empfehle daher auf jeden Fall, ein Update durchzuführen, falls nicht sowieso bereits die aktuelle Version installiert ist. Wie Sie die Firmware-Version Ihrer Kamera ermitteln können, erfahren Sie ganz am Ende dieser Anleitung.

Leider ist die Offizielle Seite von Fuji zur F30-Firmware in englischer Sprache abgefasst. Falls Sie sich die korrekte Durchführung des Vorgangs nicht zutrauen, bietet sich die Beauftragung eines Fachmanns an. Auf das Update ganz verzichten sollten Sie nicht!

Damit genug der Einleitung... es ist Zeit, die ersten Bilder zu machen!

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